Am 3. Januar 1976 gab es die Überschwemmungskatastrophe von Ruisbroek. Ein starker Nordweststurm fiel mit Springtide auf der Nordsee zusammen. Anders als 1953 hielten die – inzwischen stark verstärkten – Deiche in Zeeland und Waasland stand, aber die Flutwelle wurde landwärts in die Schelde gedrückt, wo bei Moerzeke, Walem und Ruisbroek die Deiche brachen. In Ruisbroek gaben die niedrigen Deiche der Vliet, einem kleinen Seitenarm der Rupel, nach, wodurch mehr als achthundert Häuser unter Wasser standen. Etwas stromaufwärts, in Battenbroek, ertrank der 9-jährige Wim De Smedt in dem Versuch, sich zusammen mit einigen Nachbarn in Sicherheit zu bringen auf dem Rand der gerade erst angelegten E19.
Der Januar-Sturm von 1976 war keine lokale Katastrophe: im Norden Deutschlands gedenkt man heute des Schadens und der Opfer des 'Capella-Orkans', benannt nach einem ostdeutschen Frachtschiff, das während des Sturms vor der Küste von Terschelling sank. In Hamburg ist der Wasserstand vom 3. Januar 1976 immer noch der höchste, der jemals gemessen wurde.
In der belgischen kollektiven Erinnerung ist 'Ruisbroek 1976' das, was die Hochwasserkatastrophe von 1953 für die Niederlande ist: ein Katalysator für eine radikale Überprüfung des Küstenschutzes. Der Schmerz und die Wut der Opfer richteten sich gegen die Regierung Tindemans, die mit den Deichverstärkungen gezögert haben soll. Es half nicht, dass der Minister für öffentliche Arbeiten, der französischsprachige Liberale Jean Defraigne, in der Presse erklärt hatte, dass Investitionen nicht auf Kosten der dringend zu bauenden wallonischen Autobahnen gehen dürften.
Source: De Standaard
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