Datenquelle: Jan Rymenams
Wahrscheinlich hättest du den Inhalt dieses Paragraphen übergangen, wenn in der Überschrift nur Sint-Annakapel gestanden hätte. Und wenn 'Bettnässen' anstelle dieses anständigen medizinischen Begriffs gefolgt wäre, hättest du niemals neugierig geworden.
Hier kannst du die heilige Anna anrufen, wenn dein kleines Kind – und damit auch du – unter Bettnässen leidet. Es ist nicht bekannt, seit wann verzweifelte Mütter diese Art von Wallfahrt unternahmen. Sagen wir: seit Menschengedenken. Und sie brachten die Windeln ihrer Kleinen mit. Ich habe nirgendwo gefunden, ob es sich dabei um Windeln mit Inhalt handeln musste oder nicht. Offenbar muss die Pilgerfahrt sehr belebt gewesen sein, denn es wird erzählt, dass hier früher Wäscheleinen voller Kinderlappen zu sehen waren. Oder sollten wir das mit einem Körnchen Salz nehmen? Sicherlich, denn es wurde auch Salz geopfert! Der Zusammenhang mit dem Bettnässen ist nicht so klar, es sei denn, man begnügt sich mit der Tatsache, dass Salz hygroskopisch ist und eine Menge Feuchtigkeit aufnehmen kann. Schnuller und Armbändchen gelten ebenfalls als Ex-Voto. Eine Neun-Tage-Kerze zu entzünden oder dreizehn Umgänge rund um die Kapelle zu machen, konnte ebenfalls zum Gelingen des Rituals beitragen.
Aber die Piskapel oder Luipiskapel, wie sie genannt wird, ist also der heiligen Anna geweiht, die im Mittelalter als Mutter von Maria und Großmutter von Jesus sehr beliebt war. Anne Harse, eine Nonne aus dem nahegelegenen Kloster Oriënten, ließ die Kapelle 1644 für ihre Namenspatronin erbauen. Bis in die 1980er Jahre gab es während der Eisheiligen (12. und 13. Mai) eine Prozession aus dem Dorf zur Kapelle, um eine gute Ernte zu erbeten.
Dennoch hatte man nicht volles Vertrauen in die Absichten der Besucher und die Tür wurde offenbar geschlossen. Opfern konnte man jedoch weiterhin, indem man ein ausgeklügeltes Mechanismus im Fenster neben dem Eingang verwendete.
Offenbar muss es hier für die Heiligen angenehm sein, denn wenn man durch die zerbrochenen Scheiben späht, sieht man auf dem Altar eine bunte Sammlung von Heiligenfiguren. Eine davon verdient noch kurz die Aufmerksamkeit. Das ist der heilige Martin, der Kannibale unter den Heiligen, eine Art Merckx, der in allen Disziplinen hervorstach. Hier wird er gegen Fieber angerufen. Es wird gesagt, dass er auf seinem Sterbebett von Fieber befallen war. Eine andere Geschichte besagt, dass er einen jungen Mann, der an Fieber gestorben war, zum Leben erweckte. Fieber wurde im Mittelalter als eigenständige Erkrankung betrachtet. Man stellte keinen Zusammenhang mit einer möglichen zugrunde liegenden Ursache wie einer Infektion her. Das Ritual, das angewendet wurde, um von Fieber geheilt zu werden, bestand darin, ein Kleidungsstück des Kranken dem Schutzheiligen zu opfern. Aber Textilien waren eine teure Angelegenheit und daher wurde auf ein rotes Band umgeschwenkt. Damit wurde der Kranke berührt. Das Bändchen wurde vorzugsweise unter heimlichen Umständen an die Gitter eines der Fenster der Kapelle gebunden. So etwas wurde als 'Fieberabbinden' bezeichnet. Arglose Passanten mussten vorsichtig sein, denn durch das Berühren des Bändchens wurde das Fieber auf sie übertragen.
Die Kapelle war immer in Privatbesitz und 1877 war von einer chapelle nouvelle construction die Rede, was bedeuten würde, dass sie vollständig neu errichtet sein müsste. 2004 wurde die Kapelle von der Gemeinde erworben und 2010-2011 wurde sie schön restauriert.
So mitten in den Feldern ist es ein angenehmer Ort zum Träumen. Und wenn es schwierig ist, in eine meditative Stimmung zu kommen, kannst du immer Inspiration bei einem der Gedichte finden, die auf rostfreien Plaketten auf Pfählen in Reihe vor der Kapelle stehen. Du liest Poesie von Gelegenheitsdichtern aus der Grundschule oder von lokalen Historikern, die ihre Verse sicherlich mit einer geschärften Feder geschrieben haben. Aber du findest auch ein Gedicht der Hageland-Dichterin Ina Stabergh. Und Hageland musst du wörtlich nehmen, denn wo du auch immer entlang der Hageland-Wege gehst, wirst du auf ein Gedicht von Ina stoßen. Diese Schriftstellerin und Dichterin, einst die erste weibliche Stadtdichterin von Flandern, erfreut, bewegt und verwundert die Passanten an vielen Orten in Hageland mit ihrer klaren Dichtkunst. Manchmal, wie hier der Fall ist, ist es nützlich, wenn man etwas über die Geschichte des Ortes weiß. Andererseits, wenn du nichts darüber weißt, kann das Gedicht dich auf eine spannende Entdeckungsreise in die Vergangenheit bringen.
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