Haus St. Johannes

Datenquelle: Rogier Van Der Weyden

Beschreibung

* Jacob Van Maerlantstraße Nr. 13-15. Haus "Sint-Jan" oder "Sint-J(e)an d'Angely", imposantes Patrizierhaus aus dem 15. Jahrhundert im Spätgotischen Stil mit älterem Kern, früher bekannt als das "Van Maerlantmuseum". Geschützt als Denkmal durch R.B. vom 18.06.1946. Ebenfalls im Stadtbild verzeichnet, geschützt durch M.B. vom 13.10.1986, geändert durch M.B. vom 30.03.1987. Historik. Das Haus "Sint-Jan" wird, ebenso wie das *Haus "De Grote Sterre" (Nr. 3), gebildet durch zwei spätmittelalterliche Handelshäuser, die zu einem unbekannten Zeitpunkt zusammengefügt werden. Der heutige Name "Sint-Jan" verweist auf die Weinstadt Saint-Jean-d'Angély in der französischen Bordeaux-Region, die im Mittelalter einst ein wichtiger Handelspartner von Damme war, als die Stadt das Weinlagerrecht besaß. Dies lässt darauf schließen, dass das Haus im Besitz der Weingilde von Saint-Jean-d'Angély gewesen sein könnte. Das linke Haus wurde um die Mitte des 15. Jahrhunderts (ca. 1440) erbaut und wird kurz danach von Eustachius Wyts, dem Grafenbaljuw von Damme, bewohnt. Berichten zufolge wird in seinem Wohnhaus am 3. Juli 1468 von Richard Beauchamps, Bischof von Salisbury, die Ehe des burgundischen Herzogs Karl des Kühnen mit Margarete von York, der Schwester des englischen Königs Edward IV., gesegnet. Nach der Zeremonie zieht das fürstliche Paar in einem prachtvollen Zug von Damme nach Brügge, wo eine Woche lang beeindruckende Feiern organisiert werden, die bis heute noch Teil des fünfjährigen sogenannten Goldenen Bühnenumzugs in Brügge sind. Diese Zeremonie fand im Haus "Sint-Jan" statt, da das Rathaus von Damme zu diesem Zeitpunkt noch eingerüstet ist (vgl. Markt). Abbildung von Diephäusern auf den Karten von Marcus Gerards (1562) und A. Sanderus (1641-1644). Im 19. Jahrhundert im Besitz von Jacobus Blauwet, der dafür mit seinem Kohlenhandel im "Uilenkot" (vgl. Slekstraße Nr. 18) zuständig ist; dieser wird vom Bürgermeister von Damme, Jacobus Dombrecht, überzeugt, einen geeigneteren Standort für sein Geschäft zu suchen, woraufhin er 1864-1865 eine Herberge entlang des Damse Vaart (vgl. Damse Vaart-Süd Nr. 12) errichten lässt. Das rechte Haus stammt aus dem 16. Jahrhundert, aber es wurden im 18. und 19. Jahrhundert Anpassungen an sowohl Fassade als auch Innenräumen vorgenommen. Das Anbaugebäude auf der Ostseite, an der Ecke zur Corneliestraat, stammt später, vermutlich Ende 16. Anfang 17. Jahrhundert, wurde ca. 1948 restauriert und mit neuen Maueröffnungen versehen. Der damalige Eigentümer Constant Neuhuys (aus Versailles) richtete nach dem Zweiten Weltkrieg in diesem Trakt ein "Jacob von Maerlant"-Museum ein, das 1980 geschlossen wurde. Derzeit wird es als Privatwohnung genutzt. 2001 wurden am Haus "Sint-Jan" einige Arbeiten durchgeführt, unter anderem Instandhaltungsarbeiten an den Dachbalken und den tragenden Strukturen. 2002 wurde unter anderem neues Außenschreinwerk nach dem ursprünglichen Modell eingebaut. Beschreibung. Ursprünglich zwei Diephäuser von jeweils drei Achsen und zwei Baugeschossen unter gekoppelt gängigen Satteldächern (First quer zur Straße; Dachziegel links, flämische Ziegel rechts), links mit höherem Dachgeschoss. Linkes Haus wurde eher außergewöhnlich in gelbem Backstein errichtet; rechtes Haus in rotbraunem Backstein. Maueranker. Linkes Haus (Mitte 15. Jahrhundert) an der Straßenseite gekennzeichnet durch imposante Giebel mit spätgotischen Stilelementen. Leicht überkragende Schultern; hoher Schornstein an der Ostseite. Vertikale Ausarbeitung durch drei Brugse Traveeenischen, in denen rechteckige Maueröffnungen mit Backsteinmaßwerk (Spitzbogen mit drei Passe) in Rundbogen-Nischen, mittlere bis zur Spitze gezogen; auch durchgezogene Fensterachsen aus Stein-Kreuzkasten bis in die Bogenfelder. Kleines getäfeltes Dachfenster in der Spitze. Neuere Korbbogen-Eingang in der rechten Achse anstelle eines ursprünglich vorhandenen Fensters. Backstein-Außentreppe (fünf Stufen) mit Natursteindeckplatten. Einfache Metallgeländer. Beheizte Keller-Eingang links. Rechtes Haus (16. Jahrhundert) gekennzeichnet durch einfacher gestaltete Backsteingiebel mit Ziermuster. Rechteckige Maueröffnungen mit abgeschrägten Tageskanten, im Laufe des 19. Jahrhunderts im Erdgeschoss angepasst; darüber Spuren von Entlastungsbögen. Verschwundener Eingang links vgl. Reste von Natursteinblöcken. In der Etage ursprünglich teilbare Fenster mit Stürzen und Entlastungsbögen. In der Spitze Dachfenster in Rundbogen-Nische (abgeschrägte Kanten). Kleines getäfeltes Kelleröffnung. Bei Restaurierungsarbeiten werden an beiden Häusern unter anderem die Maueretagen und die Zwischendurchgänge restauriert und zugemauerte Maueröffnungen wieder geöffnet. Die Rückseite ist ebenfalls durch zwei Giebel gekennzeichnet, in denen Spuren von Umbauten, u.a. rechteckige Maueröffnungen anstelle von Rundbogenöffnungen erkennbar sind. Kleines rechtwinkliges Anbaugebäude an der Ostseite unter Ziegelsatteldach (First parallel zur Straße). Innen. Linkes Haus mit Päckchen bestehend aus zwei längs angeordneten Räumen von ungleicher Breite, überdeckt durch Tonnengewölbe; Spuren eines früheren Kellerzugangs an der Straßenseite. Erdgeschoss heute über das linke Haus zugänglich. Großer "Saal", von dem ursprünglich in der Südwest-Ecke eine Holz-Wendeltreppe zur oberen Etage führte. Erhaltene 16. Jahrhundert Haupt- und Kinderbalken; z. B. mit Balkenschlüssel im Perlenprofil, heute auf Konsolen gelagert, früher auf Mauerleisten und Korbelen. Bei Umbauarbeiten 1908 wird in diesem Raum ein gotischer Kamin gefunden, der abgerissen und auf das Schloss von Oostkerke übertragen wird, dort größtenteils während des Ersten Weltkriegs zerstört. Der Kamin wird in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom damaligen Eigentümer Constant Neuhuys vor Ort mit Hilfe einiger erhalten gebliebenen Stücke und anhand von Fotos, die von Architekt Huib Hoste gemacht wurden, rekonstruiert. Wangen gekrönt durch figurative Darstellung (Mann und Frau) und ebenso wie der Kammbalken und die Brust mit Weinranken und Trauben dekoriert. 1940 findet man hier einen Teil einer gotischen Wandnische, bestehend aus einem profilierten Backstein-Spitzbogen mit kleinen Säulen auf Natursteinbasis, gekrönt von einem Blattkapitell; tieferliegender Naturstein Dreipass auf Kopfkonsole. Erste Etage ebenfalls mit Deckenverkleidung mit Haupt- und Kinderbalken; auch hier wird 1908 ein gotischer Kamin entdeckt, der nur fragmentarisch erhalten ist. Dachgebinde aufgebaut aus zwei Sparren; gezählt. Rechtes Haus mit Keller, überdeckt durch Tonnengewölbe; diente im 15. Jahrhundert als Lagerraum für Weine. Erdgeschoss eingeteilt in Vor- und Hinterzimmer, gekennzeichnet durch 18. Jahrhundert Ausstattung, vgl. Stuckdecken und Kaminbrust. Erhaltene 16. Jahrhundert Struktur von Haupt- und Kinderbalken. Gegen die Rückwand des Zimmers auf der Straßenseite eine Holzwand mit Rundbogen-Durchgang und zwei Nischen, ursprünglich jede nacheinander mit zwei Holztüren versehen. Anbaugebäude an der Ostseite an der Ecke zur Corneliestraat, vermutlich aus der späten 16. bis frühen 17. Jahrhundert. Einlagiger Backsteinbau unter Satteldach (First parallel zur Straße; flämische Ziegel). Maueranker. Schwerer Stützpfeiler an der Corneliestraat. Vier rechteckige Maueröffnungen an der Straßenfassade in korbgewölbten Nischen, datieren aus den Restaurierungsarbeiten von 1948. Rechte Achse mit wiederaufgebautem korbgewölbten Tor, gefasst in blockiertem Natursteinrahmen; das neue Tor wird mit einem Torstich aus dem Jahr 1693 versehen. Kleinere Öffnungen in der Seitenwand. Links Reste einer weiße Steintürrahmung. ABTEILUNG ROHM WEST-VLAANDEREN, Zelle Denkmäler und Landschaften, Archiv Nr. W/00248. BALLEGEER J., Führer für die Zwinstreek, Nieuwkerken-Waas, 1999, S. 95. DEVLIEGHER L., Damme, in Kunstpatrimonium von West-Vlaanderen, Teil 5, Tielt, 1971, S. 158-162. HEYNEMAN D.; HEYNEMAN L., Entdecken Sie Damme. Praktischer Führer, Damme, 1977, S. 15-16. RAU J., Das Damme von damals und Umgebung, Brugge, 1981, S. 30-31. VANDENBERGHE R., Damme, illustrierter Führer, Brugge, 1978, S. 49-53. VAN POUCKE G., Archivbilder Damme, v.z.w. 't Zwin Rechteroever, Grundgebiet Damme-Gloucestershire, 2003, S. 58.

Datenquelle

Datenquelle: Callaert, Gonda & Hooft, Elise

Urheberrechte: All rights reserved

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Adresse: Jacob van Maerlantstraat 13, Damme

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