Pfarreikirche, die dem Heiligen Bartholomäus geweiht ist. Nach Süden ausgerichtete Wiederaufbaukirche von 1923-1925. An den Kirchenmauern sind vier Grabsteine ehemaliger Pfarrer erhalten geblieben, dies ist ein Relikt des Vorkriegsfriedhofs. Ebenfalls Kriegsdenkmal für die zivilen und militärischen Opfer beider Weltkriege. Teilweise umgeben von einer Parkanlage mit Wasserfläche, abgegrenzt durch Lindenbäume, Zugangspfad betont durch eine lange Bank und Lindenbäume. Anlegung der Umgebung 2004 nach den Plänen des Ingenieurbüros Ch. Lobelle (Sint-Andries, Brügge).
Geschichte der Kirche
Laut dem Kartular der Abtei von Ename gab es bereits vor 1085 einen Ort des Gebets in Kortemark. In diesem Jahr erhält die Abtei von Ename die Pfarrei über die Kirchen von Handzame und Kortemark. 1286 halten sich mehrere Mönche von Ename vor Ort auf. Bei der Bilderstürmerei im Jahr 1566 wird die Kirche zum ersten Mal zerstört, nur die Mauern bleiben stehen. Die Kirche wird wieder aufgebaut und 1571 weiht der Bischof von Brügge fünf Altäre in Kortemark: den Hauptaltar, geweiht der Heiligen Dreifaltigkeit, die anderen Altäre der Unseren Lieben Frau, der Heiligen Mutter Anna, dem Heiligen Sebastian und dem Heiligen Blasius. Um 1580 wird die Kirche erneut von den Geusen zerstört.
Circa 1610 beginnt der Wiederaufbau, wobei gelbe Ziegel aus der IJzerregion verwendet werden. Der alte - möglicherweise aus dem 15. Jahrhundert stammende - Vierungsturm aus weißem Stein, der "Pfefferstreuer" genannt wird, bleibt erhalten. Finanzielle Probleme verzögern die Rekonstruktion. 1642 werden zwei Altäre geweiht, der Hauptaltar geweiht dem Heiligen Bartholomeus (dem heutigen Schutzpatron der Kirche), der andere Altar der Unseren Lieben Frau.
Höchstwahrscheinlich lag das dritte Schiff zu diesem Zeitpunkt noch in Trümmern. Die Kirche wird erst circa 1650 vollständig fertiggestellt. 1797 (französische Periode) wird die Kirche vorübergehend geschlossen, da der Pfarrer den Eid auf die Republik nicht ablegen wollte. Die Kirche leidet sehr unter plündernden Soldaten und verfällt.
1847 wird eine Mauer um den Friedhof errichtet. 1848-1849 wird die Kirche etwas westlicher wiederaufgebaut nach den Plänen des Baumeisters und Provinzarchitekten Pierre Buyck (Brügge, 1805-1877). Dabei wird der ursprüngliche Vierungsturm erhalten, jedoch jetzt als Westturm. 1854-1859 wird die Sakristei vom selben Architekten erweitert. 1877-1880 wird der Turm restauriert und stabilisiert nach den Plänen des Architekten A. Verbeke (siehe Archiv der königlichen Kommission für Denkmäler und Landschaften).
Während des Ersten Weltkriegs werden der prunkvolle Kanzel aus dem 18. Jahrhundert und ein barockes Gemälde aus dem Hauptaltar in Sicherheit in den Turm der Sint-Pietersbandenkerk in Torhout gebracht. Bei der Sprengung dieses Turms im Jahr 1918 gehen diese Kunstwerke verloren. 1917 wird der Kortemarkser Kirchturm gesprengt, wodurch auch der Rest der Kirche teilweise zerstört wird. Am Ende des Ersten Weltkriegs liegt die Sint-Bartholomeus-Kirche vollständig in Trümmern, nur ein Stück des Scheibogenarkaden und einige Mauerelemente stehen noch.
1923-1925 wird eine neogotische Hallenkirche mit drei Schiffen und einem 52 Meter hohen Turm nach dem Entwurf des Baumeisters Thierry Nolf (Torhout) errichtet. Die Kirche wird nicht an der alten Stelle gebaut, sondern etwas weiter nördlich. Dafür gibt es zwei Gründe: zum einen ermöglicht die neue Lage eine größere Kirche und zum anderen stand die alte Kirche auf aufgeschüttetem Erdreich, wodurch das alte Kirchengebäude bereits vor dem Krieg große Risse aufwies. Die neue Kirche zeigt auch keine Ähnlichkeit mit der Vorkriegs-kirche. 1925 werden die Glasfenster von dem Gentser Haus Coppejans eingesetzt. Ein hölzernes Kruzifix, das vor dem Ersten Weltkrieg an der Außenmauer der Kirche unter einem Dachvorsprung hing, wird während des Krieges in Sicherheit gebracht und hängt seit 1999 in der Kirche.
Es wird ein neuer Friedhof in der Torhoutstraße angelegt. Der alte Friedhof rund um die Kirche (für Resten, siehe Markt ohne Nummer) bleibt zehn Jahre verwahrlost, dies aufgrund von Problemen mit der Enteignung. Die Gitter auf Ziegelpfeilern des Vorkriegsfriedhofs werden nach dem Krieg teilweise wiederverwendet rund um die Pfarrkirche.
Beschreibung der Kirche
Der Grundriss entfaltet: dreischiffige Hallenkirche mit sieben Jochen und acht Jochen für das Mittelschiff, mit doppelten Querschiffarmen und dreiseitigem Apsidalertubau. Seitenschiffe mit flacher Schließung. Der quadratische Turm unter sechseckigem Turmhelm befindet sich an einem unkonventionellen Ort, nämlich in der nördlichen Achse zwischen Mittelschiff und westlichem Seitenschiff. Ein fünfseitiges Volumen in der nördlichen Achse zwischen Mittelschiff und östlichem Seitenschiff fungiert als Taufkapelle. Auf Höhe des nördlichen Joches der Seitenschiffe ein leicht vorspringendes, rechteckiges Eingangsporträt. Das nördliche Joch des Mittelschiffs ist als Eingangspforte gestaltet. Südlich des westlichen Seitenschiffs eine rechteckige Sakristei mit vier Jochen.
Materialien. Die Verwendung verschiedener Steinarten (farbige Ziegel, blaue Hartstein für die Friese, durchgehende Wasserleisten, Fensterbänke, Ansatz der Geschosse) akzentuiert das neogotische Konzept. Verwendung von Euvillesteinen und blauen Hartsteinen für die Ornamentik, Abdecksteine, Tropfleisten, Cordonleisten. Natur-Schiefer für die Dachdeckung.
Exterieur
Dreischiffiges Schiff und doppeltes Querschiff unter Satteldächern. Nordfassade des Mittelschiffs bestehend aus einer Giebelwand mit Schulterstücken und an den Ecken rechwinkligen, verjüngenden Stützen, Spitzbogenöffnung unter einer Tropflinie, drei Spitzbogenfenster. Nordfassade des westlichen Seitenschiffs mit Spitzbogen-Dreilichtfenster. Seitenwände rhythmisiert durch Spitzbogen-Dreilichtfenster unter Tropflinie, Cordonleiste und verjüngenden Stützen. Auf Höhe des nördlichen Jochen jedes Mal ein Eingangspodest mit Giebel, versehen mit Schulterstücken, eine Spitzbogenöffnung unter einem Oculus mit dreilappigem Maßwerk. Ost- und Westfassaden der Querhausarme aufgenommen als Giebel mit Schulterstücken und schräg gestellten, verjüngenden Stützen, geöffnet durch zwei Spitzbogen-Doppelfenster und einen runden Oculus mit dreilappigem Maßwerk unter Tropflinie.
Quadratische Turmstruktur mit drei horizontalen Etagen: die Erdgeschoss-Etage mit jeweils einer rechteckigen Fensteröffnung unter einem Pfosten und einem Spitzbogen-Lüftungsbogen, die zweite Etage mit gekoppelt, spitzbögigen blindnissen mit einfachem Maßwerk, die dritte Etage an jeder Seite mit zwei spitzbogigen Glockenöffnungen unter blauen Hartsteintropfleisten. Jede Etage wird durch breite, durchgehende Cordonleisten akzentuiert, oben eine durchgehende spitzbogenförmige Ziegelriegel. Verjüngende, winkelig platzierte Stützen an den Ecken.
Fünfseitige Taufkapelle unter einem halben Zeltdach mit verjüngenden Stützen an den Ecken, zwei Spitzbogenfenster und doppelte Cordonleiste.
Apsis mit verjüngenden Stützen an den Ecken, Spitzbogen-Dreilichtfenster, durchgehende Cordonleiste.
Sakristei unter Satteldach, Seitenwände ausgearbeitet als Giebel mit Schulterstücken. An den Ecken schräg gestellte verjüngende Stützen. Rechteckige Fensteröffnungen mit Mittelsäule unter Korbbogen-Lüftungsbögchen, gefasst in einem Spitzbogennischen. Holzfenster mit Buntglasfüllung, Diebenstangen. Durchgehende Cordonleiste.
Interieur
Verputzte und weiß gestrichene Wände mit Ziegel-Fenster- und Türrahmen, Scheibogen und spitzbögiger Fries. Holzspitztonnengewölbe mit polychromierten (rot und blau) Rippen und Zugbalken. Blaue Hartstein-Säulen mit Knopfkapitellen auf achteckigem Sockel. Auf Höhe der Vierung, höhere Bündelpfeiler. Schwarze Natursteinkacheln und kleinere Zementfliesen auf Höhe der Seitenschiffe.
Eingangspodest mit unverputzten Wänden unter profiliertem Balkendeck, weiße und schwarze Natursteinkacheln im Schachbrettmuster, korbbogige Öffnung zum Turm.
Erdgeschoss-Turmraum mit Terrakottakachelboden, Tonnengewölben und Ziegelwänden. Doxaal mit Holzbalustrade.
Sakristei mit verputzten Wänden, weißen und schwarzen Kacheln im Schachbrettmuster und einfacher schwarzmarmorerte Kaminsimulation. Türen aus Pitchpine mit Briefpanelen.
Gebrandschilderte Buntglasfenster signiert "HENDRIK COPPEJANS/ GENT 1925". Darstellungen verschiedener Heiliger und biblischer Szenen im traditionellen akademischen Stil.
Mobilär
Kanzel aus circa 1920 mit Symbolen der Evangelisten, unter anderem dem Heiligen Markus und dem Lehrer Christus. Die Statue der Unseren Lieben Frau von Edewalle (Unseren Lieben Frau von Trost mit Kind), in einem Strahlenkranz gefasst, stammt circa 1500 und stammt aus dem Weiler "Edewalle" (siehe Pastoor D. Vanhautestraat). Circa 1817 wurde die Statue der Kirche von der Familie Gilles de Pelichy (Erben von Huerne) geschenkt. Beim Bau einer Kapelle in Edewalle von 1869-1871 kehrt die Statue in diesen Weiler zurück. Seit der Wiederaufbauzeit der 1920er Jahre befindet sich die Statue wieder in der Kirche von Kortemark.
Statue von Jesus am Kreuz circa 1930. Vergoldete Büste des Heiligen Bartholomeus, Schutzpatron der Kirche, in einer geschmückten Holzvitrine links vom Altar. Diese Büste wurde 1954 von Vertretern des 10. Linie-Regiments gespendet, um an die Befreiung von Kortemark im Jahr 1918 zu erinnern.
Im Jahr 1848 wurde ein Orgel von Ch.-L. Van Houtte (Waregem) gebaut. 1898 wird eine umfangreiche Arbeit von Fr. Joris (Ronse) ausgeführt, entweder ein Neubau oder ein Wiederaufbau der Van Houtte-Orgel. Dieses Instrument wird im Ersten Weltkrieg zerstört. Nach dem Wiederaufbau der Kirche wird eine neue (?) Orgel aufgestellt. Das heutige Instrument von der Firma Jos. Loncke & Söhne (Esen, Diksmuide) stammt aus dem Jahr 1963. Es ist möglich, dass eine kleine Menge Material von der Orgel von circa 1925 für diese neue Orgel wiederverwendet wurde.
Inventarisierung der Relikte aus dem Ersten Weltkrieg in der Westhoek (Provinz Westflandern, "Krieg und Frieden in der Westhoek", und Ministerium der Flämischen Gemeinschaft, Abteilung Denkmale und Landschaften, 2002-2006).
Vlaams Instituut für das unbewegliche Erbe, Dokumentationszentrum, Karten und Pläne K.C.M.L., Nummer 387.
Vlaams Instituut für das unbewegliche Erbe, Archiv Organisationserfassung.
Informationen von Herrn Marcel Werbrouck.
JACOBS M., Sie, die wie Helden fielen... Inventar der Kriegsdenkmäler der beiden Weltkriege in Westflandern, Teil 2, Brügge, 1996, S. 191.
Mein Dorf im Krekedal. Handzame-Kortemark-Werken-Zarren, Kortemark-Handzame, 1978, s.p. (Ikonografie)
NOTEBAERT A., NEUMANN C. et al., Inventar des Archivs der Dienst der verwüsteten Gebiete, Allgemeines Staatsarchiv, Brüssel, 1986.
ROOSE B., Fotorepertorium des Mobiliars der belgischen Wallfahrtsorte, Provinz Westflandern (3. Abteilung) 1817-1879, Brüssel, 2001, S. 243-244.
ROOSE-MEIER B., VERSCHRAEGEN H., Fotorepertorium des Mobiliars der belgischen Wallfahrtsorte, Kanton Torhout, Ministerium für niederländische Kultur Königliches Institut für das Kunstpatrimonium, Brüssel, 1976, S. 24.
STEVENS M., Archivbilder Kortemark, Brüssel, 2000, S. 17, 20, 31, 47, 50, 62 (Ikonografie).
VERHAEGHE M., Aus der Vergangenheit von Kortemark, Brügge, 1953, S. 138-154.
WERBROUCK M., Die Pfarrei Kortemark vom frühesten Beginn bis zum Ersten Weltkrieg. Ihre Kirche, ihre Priester und ihre Gläubigen, im Jahrbuch des heimatkundlichen Kreises "Crekel Beke", Kortemark, 1992 S. 171-203.
WERBROUCK M., DEMAREE J. et al., Der Große Krieg im Krekedal Teil I 1914-1916, im Jahrbuch des heimatkundlichen Kreises "Crekel Beke", Kortemark, 1999, S. 8 (Ikonografie).
WERBROUCK M., DEMAREE J. et al., Der Große Krieg im Krekedal Teil II 1917-1920, im Jahrbuch des heimatkundlichen Kreises "Crekel Beke", Kortemark, 2000, S. 19, 21, 26, 39 (Ikonografie).
www.westhoek.be
Quelle : BAERT S. & VANNESTE P. in Zusammenarbeit mit CREYF S., DEVOOGHT K., GHERARDTS F. & MOEYKENS S. 2008: Inventar des architektonischen Erbes, Provinz Westflandern, Gemeinde Kortemark, Teil I: Teilgemeinden Kortemark und Handzame, Teil II: Teilgemeinden Werken und Zarren, Bauen durch die Jahrhunderte in Flandern WVL40, unveröffentlichte Arbeitsdokumente.
Autoren : Vanneste, Pol; Baert, Sofie
Datum : 2008
Der Text wird zur Verfügung gestellt von: Agentur für unbewegliches Erbe
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