Bis ins vorige Jahrhundert war der Lindenbaum eng mit dem täglichen Leben und dem Gemeinschaftsleben verbunden. Seit den Germanen war die Linde der „Rechtsbaum“. In ihrem Schatten wurde Recht gesprochen, Urteile gefällt und Versammlungen abgehalten. Neben dem Rechtsbaum war sie zudem die „Freyalinde“. Nach der germanischen Göttin der Liebe, Gerechtigkeit, des häuslichen Glücks und der Fruchtbarkeit. In jedem Dorf stand auf dem zentralen Marktplatz so eine Freyalinde. Darunter wurde getanzt, getrunken, geliebt. Kurz gesagt, es war ein Ort der Fröhlichkeit und Entspannung. Mit der Christianisierung verwandelte sich die Linde in unseren Gegenden in die Schutzpatronin. Wie viele Pflanzen, die Freya gewidmet waren, war die Linde fortan Maria gewidmet. Die Freyalinde wurde so zur Marialinde. Baumkappen wurden in großer Zahl an Lindenbäumen aufgehängt, wo man sie bis heute finden kann. Und auch neben den Kirchen und Kapellen wurden, wie hier, Marialinden gepflanzt.
Man war überzeugt, dass die Linde Schutz gegen Hexen und Zauberer bot. Außerdem sorgte sie für eine gute Gesundheit. Verschiedene Krankheiten konnten mit der Linde besiegt werden. So band man Lindenblätter auf die Stirn, um Kopfschmerzen verschwinden zu lassen, und mischte Lindensprossen in den Brei von Kindern, um sie von Zahnschmerzen zu befreien.
Trotz dieser schützenden Funktion hat eine Linde doch einmal einen Mord verursacht. In der Nieblungsaga besiegt der große Held Siegfried den Drachen. Danach badete er in dessen Blut, was Siegfried unverwundbar machte. Leider fiel just dann ein Lindenblatt auf Siegfrieds rechtes Schulterblatt. Der Held war sich seiner verwundbaren Stelle jedoch nicht bewusst. Sein Rivale, Hagen von Tronje, hatte es jedoch gesehen. Er nutzte dieses Wissen aus und durchbohrte Siegfried mit seinem Speer. Der Name Linde soll von der Nutzung der Rinde abgeleitet sein (linda=Bindemittel), aber auch von wickeln, drehen, winden. Das ist passend, denn die Enareërs, griechische Männerweisen, konnten Vorhersagen treffen, indem sie Lindenrinde in drei Teile spalteten und um ihren Finger wanden. Beim Abwickeln waren sie in der Lage, die Zukunft zu sehen.
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Indirizzo: Gent
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