Die Wortel-Kolonie ist ein besonderes Gebiet mit einer einzigartigen Geschichte. Die Kolonien der Wohltätigkeit erzählen ein bemerkenswertes Stück Geschichte aus der Zeit, als unsere Gegenden Teil der Niederlande waren, zwischen 1815 und der belgischen Unabhängigkeit 1830. Der niederländische General Johannes van den Bosch initiierte ein idealistisches Gesellschaftsexperiment zur Bekämpfung der Armut, zugleich auch um Menschen am Rande der Gesellschaft, wie Landstreicher oder Bettler, zu reintegrieren.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fand in den Vereinigten Niederlanden ein großes gesellschaftliches Experiment statt. Ziel: Armut zu beseitigen. Die Gesellschaft der Wohltätigkeit kaufte unerschlossene Landstriche auf. Dort wurden sieben Kolonien der Wohltätigkeit gegründet: fünf im Norden der Niederlande und zwei im Süden, nämlich die von Wortel und Merksplas. Aus dem ganzen Land wurden große Zahlen von Menschen und Familien in Armut dorthin geschickt, um Landwirtschaft zu betreiben, Schule zu besuchen und Disziplin zu lernen. Landstreicher, Bettler und auch Waisen wurden zur Aufnahme gezwungen.
Das Projekt war nicht erfolgreich und wurde nach der belgischen Unabhängigkeit (1830) eingestellt. Nach den notwendigen Anpassungen wurde die Rijksweldadigheidskolonie 1881 erneut ins Leben gerufen und wurde zu einem Zufluchtsort für Landstreicher und Bettler. Bis zum Ersten Weltkrieg gab es dann fünftausend langzeitinsassen. Nach der Abschaffung des Landstreicherrechts im Jahr 1993 wurden die zentralen Gebäude der "Kolonie" als Gefängnis eingerichtet. Die übrigen Gebäude und Grundstücke erhielten eine neue Bestimmung.
Die Kolonien hatten eine sehr typische Landschaft, die zweihundert Jahre nach ihrer Entstehung immer noch erkennbar ist. 1822 begann die Erschließung der Heide in der Kolonie. Ein rationaler und symmetrischer Plan teilte die Kolonie in zwei Teile, getrennt durch eine breite Straße von Wortel nach Zondereigen. Der Kreuzungspunkt war das Zentrum der ehemaligen Kolonie und wird auf alten Karten als 'Les Quatre Batiments' bezeichnet. Hier standen Gemeinschaftseinrichtungen: das Direktoratshaus, die Schule, ein Betriebsgebäude mit unter anderem einer Spinnerei und das Lager.
Jetzt stehen an diesem Kreuzungspunkt drei Gebäude, die aus dem späten 19. Jahrhundert stammen, aber inzwischen stark verändert wurden: die Landstreicherfarm mit dem Besucherzentrum De Klapekster, das Casino und eine Personalwohnung. Die letzten beiden Gebäude wurden von der VZW Widar gepachtet.
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Adresse: Kolonie 41, 2323 Hoogstraten, Vlaams Gewest, Belgique
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