Die Schafweide in Middelkerke wird heute von Eseln beweidet. Schafzucht war in dieser Region ziemlich wichtig, das lernen wir unter anderem aus Toponymen wie der Schaperie und dem Schaepkot. In Dokumenten finden wir auch den Begriff 'berquariae' oft an der Küste. Eine berquaria war ein verpachteter Schafhof, das bedeutet, dass der eigentliche Eigentümer der Graf von Flandern war, der das Grundstück mit dem Hof an jemand anderen verlieh. Im Gegenzug wurde eine Silbersteuer gezahlt. Schafe lieferten nicht nur Wolle, sondern auch Fleisch, Leder und andere Nebenerzeugnisse. Auch hiervon finden wir Spuren in alten Dokumenten: So ist die Rede von einer 'Dode Lamtiende', einer Art Zins, den Schafzüchter auf Grafenboden aus den Einnahmen aus der Schlachtung von Lämmern zahlen mussten. Die Grundstücke des Grafen von Flandern wurden am meisten für Schafzucht genutzt, aber daneben waren sie auch für verschiedene Abteien eine Einkommensquelle. Die Nebenerzeugnisse gewannen vor allem ab dem zwölften Jahrhundert an Bedeutung, als unser Markt von englischer Wolle, die qualitativ besser war als die flämische, konkurrenziert wurde. Lange bevor die Deichbauarbeiten begannen, gab es bereits Besiedlung und Aktivitäten auf den Schorre: unter anderem fanden Schafhüter hier einen geeigneten Platz für ihre Herden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich einige Schafbauern hier auch nach den Deichbauarbeiten niederließen. Die ersten Deichbaumaßnahmen, die einen klaren wirtschaftlichen Nutzen suggerierten, waren die Ringdeiche um Westende, Stene, Slijpe und Middelkerke. Diese reichen wahrscheinlich bis mindestens ins 10. Jahrhundert zurück. Es sind Deiche, die buchstäblich 'rund' um ein Zentrum angelegt sind, mit dem Ziel, das eingeschlossene Gebiet zu schützen, in dem sich dann Wiesen oder Vieh befanden. Es versteht sich von selbst, dass solche teuren Maßnahmen meist auf Initiative der Reichen der Gesellschaft erfolgten. Hier geht es wahrscheinlich um den Grafen von Flandern. Leider sind diese Ringdeichstrukturen heute nahezu unsichtbar im Landschaftsbild geworden. Es gibt auch einen Krötentunnel, um Kröten gefahrlos die Straße überqueren zu lassen.
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