Provinziale Technische Schulen

Datenquelle: Vlaamse Gemeenschap, 02-11-1979, ©Vlaamse Gemeenschap

Urheberrechte: All rights reserved

Beschreibung

Die Provinzialen Technischen Schulen Boom wurden zwischen 1926 und 1930 nach dem Entwurf der Architekten Camille Bal und Ernest Lamot als Institut für technische Bildung gegründet, um Fachkräfte für die wachsende Industrie in der Rupelregion auszubilden. Die Schule war Teil des städtebaulichen Gesamtkonzepts für die 'Boomsche Beekbosschen Gartenstadt', zu dem auch der Gemeindepark ein wesentlicher Bestandteil gehörte. Der Gebäudekomplex, mit getrennten Gebäuden für Theorie und Praxis, wurde im Art Deco-Stil mit stark vertikalisierenden Elementen realisiert.

Historie

Die Provinzialen Technischen Schulen (PTS) in Boom wurden zwischen 1926 und 1930 errichtet. Der Gemeindepark, der in derselben Zeit angelegt wurde (1928-1929), entstand innerhalb eines ähnlichen städtebaulichen Konzepts und wurde bereits am 8. März 1940 durch königlichen Beschluss als Landschaft geschützt. Die Gründung der provinzialen Fachschule fiel in die nachkriegsindustrielle Entwicklung der Rupelregion. Die wirtschaftliche Landschaft dieser Region war von einem Cluster kleiner und mittelständischer Unternehmen geprägt, die direkt oder indirekt mit der Ziegelindustrie verbunden waren, die traditionell in dieser Region ansässig war. Darüber hinaus wurden andere Unternehmen angezogen, die von dem großen Angebot an Arbeitskräften profitierten, die in den ruhigeren Produktionsphasen der Ziegelindustrie verfügbar waren. Für das gesamte Industriekomplex bestand eine stark steigende Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften, der die bestehende Bildung nicht mehr gerecht werden konnte. Um den Bedürfnissen der Industrie und Bildung in dieser Region gerecht zu werden, wurde vom Provinzialverwaltung der Bau einer Fachschule vorgesehen. Im August 1924 wurde entschieden, dass Boom der günstigste Standort dafür war.

Die Gründung der PTS muss auch im Kontext der Entwicklung eines neuen Wohnviertels nördlich des Zentrums von Boom gesehen werden. Unter dem Impuls des Ingenieurs Benjamin Haesaerts wurde 1925 der interkommunale Verband 'Boomsche Beekbosschen Gartenstadt' (BBT) ins Leben gerufen, unterstützt von der Provinz Antwerpen und den Gemeinden Boom, Niel und Reet. Diese Vereinigung hatte unter anderem das Ziel, in Boom ein neues 'gesundes' Viertel anzulegen, das mit einem Gemeindepark ausgestattet ist. Eine zweite Aufgabe bestand im Bau einer provinzialen Fachschule für die Rupelregion. Für den Bau dieses Viertels erwarben Boom und die Provinz von der adligen Familie Cardon de Lichtbuer nahezu 29 Hektar Wald und angrenzende Wiesen im Jahr 1925. Auch etwa 18 Hektar Wiesen- und Moorland wurden enteignet.

1926 wurde mit dem Bau der Schule begonnen. Für das Design wurde Camille Bal (1888-1955) in Anspruch genommen, der zu diesem Zeitpunkt von der Gemeinde als Hilfsmeister für den Bau eingestellt war, sowie der Architekt Ernest Lamot. Bis heute ist unklar, wer genau welchen Anteil an der Entstehung des Gebäudes hatte. Ein stilistischer Vergleich mit anderen Realisierungen von Bal deutet darauf hin, dass das architektonisch-formelle Konzept von ihm stammt. Diese Annahme wird durch die Tatsache unterstützt, dass die Gartenstadt 'Park', nördlich der Schule, ebenfalls von Bal entworfen wurde.

Das Lastenheft für den Bau der Werkstätten wurde am 10. September 1926 aufgesetzt. Die Fundamente des Schulgebäudes stammen aus dem Jahr 1927. 1928 wurden das Konferenzzimmer, die Mensa und der Turnsaal errichtet, und im folgenden Jahr wurde das Schulgebäude vollendet. Die Werkstätten wurden eingerichtet, das Innenleben der Schule wurde 1931-1932 angepackt. Bau-typologisch ist der Schulkomplex von zeitgenössischen Realisierungen für die Fachbildung in den Niederlanden und Wallonien inspiriert. Die technische Ausbildung war zu dieser Zeit in Flandern noch relativ neu. Das Planungskonzept, in dem für separate Bauglieder vorgesehen ist, die jeweils an ihre jeweilige Funktion angepasst sind, war innovativ für diese Zeit. Diese Funktionsteilung ist bis heute in Gebrauch. Architektonisch ist es klar ein Produkt seiner Zeit, inspiriert von der Amsterdamer Schule und angelehnt an die Art Deco, sind die PTS Boom ein repräsentatives, gut erhaltenes und besonders schönes Beispiel für Architektur aus der Zwischenkriegszeit. Dass das Gebäude in den 1930er Jahren auch geschätzt wurde, beweisen zahlreiche Veröffentlichungen in Architekturzeitschriften wie K.M.B.A. und Bâtir). Dass der Designer Inspiration bei unseren nördlichen Nachbarn gesucht hat, zeigt sich an den erhaltenen originalen Fenstern (Seite Beukenlaan), die nach außen geöffnet werden.

In den 1950er Jahren wurde eine Renovierungs- und Umbaumaßnahme der Nordflügel durchgeführt. Im Osten wurden zwei Joche nach einem Entwurf des Provinzialbaumeisters Leon Van Santvoort (1909-1995) hinzugefügt. Auch die Treppe wurde dabei angepasst. Diese Erweiterung fügt sich stilistisch und im Materialgebrauch den ursprünglichen Gebäuden an. Ende der 1950er Jahre wurde die Schule erneut mit neuen Werkstätten erweitert, die an die ursprünglichen Hallen anschlossen. Die bestehenden Turnhallen stammen aus dem Jahr 1977. Die letzte Baukampagne betrifft den Bau des CDO (Zentrum für Tagesbildung), nördlich der Turnhallen. Die neuen Schultrakte ab den 1950er Jahren, ausgenommen die Erweiterung an den Nordflügel, fallen nicht unter den Schutzbereich. Seit 2001 läuft ein Restaurierungsdossier nach dem Entwurf des Architekturbüros Erfgoed und Visie, mit Restaurierungen in verschiedenen Phasen.

Beschreibung

Die ältesten Teile der Provinzialen Technischen Schulen (PTS) bilden einen Gebäudekomplex von drei zusammenhängenden Flügeln, angrenzend an die August-Sniederstraße (Nord), die Beukenlaan (West) und die Albrecht-Rodenbachstraße (Süd) sowie einen freistehenden Flügel mit einem Shed-Dach (Ost). Das gesamte Ensemble wird durch eine schmale, schräg gelegene Eingangsjoch mit turmartigen Eckgebäuden an der Beukenlaan und einem hexagonalen Wasserturm an der Ecke von Beukenlaan und August-Sniederstraße markiert. Die Typologie der verschiedenen Bauteile verrät die ursprüngliche Bestimmung, wobei ein klarer Unterschied zwischen den eher traditionellen Schulgebäuden an der Westseite, die für den theoretischen Unterricht vorgesehen waren, einerseits, und andererseits den günstig orientierten Werkstätten unter Shed-Dächern, in denen die Praxis gelehrt wurde, gemacht werden kann.

Der monumental konzipierte Backsteinbau zeigt Art Deco-Charme und wird durch ausgewogen konstruierte Volumen, eine stark vertikalisierte Fassadenordnung (Lisenen, Stützpfeiler und Fensterregister), höher ansteigende Wandteile und dekorativ eingesetzte imitierte weißsteinerne Fassadenelemente gekennzeichnet. Der kontrastierende Materialgebrauch (dunkelrote Klampstein und Imitationsweißstein), die straff geometrische Fassadendetailierung und die verspringenden Wandteile verleihen dem Ganzen ein stark expressives Charakter. Auffällig ist die Abwesenheit von reiner Fassadendekoration oder eine Ästhetisierung funktionaler Bauteile wie Wasserspeier, Brüstungen, Sockel und Bekronungen. Der ausgeprägte Einsatz und die fachgerechte Verarbeitung von Backstein verweisen auf die regionale Wirtschaft. Die langrechteckigen Maueröffnungen waren ursprünglich mit Stahlfenstern und -türen versehen. Viele wurden unter anderem 1981 durch Aluminiumexemplare ersetzt, wobei die ursprüngliche Fensteranordnung beibehalten wurde. Nur im westlichen Flügel sind entlang der Straßenseite ältere Stahlfenster erhalten, die nach außen öffnen. Unter jedem Fenster der Klassenzimmer ist ein Belüftungsrooster angebracht, das Teil des originalen Heizsystems ist.

Schulflügel

Der gesamte südliche und westliche Flügel des Gebäudes ist unterkellert. Hierin waren unter anderem die Mensa, die Werkstätten für das Wartungspersonal, Umkleidekabinen und Ateliers für Maurer und Stuckateure untergebracht. Die Treppen haben ihren originalen Fliesenbelag behalten. Hinter der Eingangsjochen befindet sich die monumentale Treppenhalle unter einem Lichtkuppel. Der Boden ist mit quadratischen roten Fliesen aus gebranntem Ton bedeckt. Die Wandfliesen bestehen aus grün-stichigen Fliesen, akzentuiert durch schwarze Fliesenmuster. Die Decke der Halle ist entlang der Wände und um das Treppenloch treppenförmig profiliert. Die Doppeltüren, die Zugang zu den angrenzenden Gängen und Räumen geben, sind original, aber die Farbgebung zum Zeitpunkt des Schutzes ist nicht mehr ursprünglich. Im ersten Stock ist die Treppenhalle auf identische Weise fertiggestellt. Die vorhandene Lichtkuppel ist nicht mehr die originale und stammt aus dem Jahr 1977. Die an die Treppenhalle angrenzenden Räume hatten überwiegend Funktionen für die Schulleitung und sind durch den ursprünglichen Fischgrätparkett gekennzeichnet. Der südliche Flügel, der für das Personal bestimmt war, wurde gründlich renoviert. Der westliche und der nördliche Flügel mit Klassenzimmern entlang eines langen Verbindungsgangs sind relativ gut erhalten. Spätere Umbauten sind an der Wand- und Bodenfliesen der Gänge abzulesen. Die charakteristischen Podien mit Parkett im Fischgrätmuster vorne in den Klassenzimmern sind erhalten geblieben. Die Etage folgt denselben Grundriss wie im Erdgeschoss. Hier wurden die Klassenzimmer in einer jüngeren Phase trennwandartig unterteilt.

Der ehemalige Wasserturm wird seit etwa 1981 teilweise als Hochspannungskabine genutzt. Dafür musste ein Teil der originalen Treppe entfernt werden.

Festsaal

Der ehemalige Festsaal wurde 1988 vollständig als Auditorium umgestaltet. Diese neue Ausstattung ließ die ursprüngliche Struktur jedoch unangetastet. Die ursprüngliche Bühne für unter anderem Theateraufführungen und das Fischgrät-Parkett blieben erhalten. Die Räume in den oberen Etagen des Eingangsbereichs wurden umgestaltet.

Werkstätten

Die Werkstätten aus dem Jahr 1926 waren ursprünglich eine vollständig offene Konstruktion (ein durchgehender Raum), die später durch Backsteinwände unterteilt wurde, die deutlich von der ursprünglichen Konstruktion unterscheidbar sind. Im Jahr 2004 befindet sich unter jedem Ziggurat ein separater Raum mit Atelier. In einigen dieser Räume wurde ebenfalls ein Duplex eingerichtet, das als Umkleideraum dient oder für einen anderen Zweck eingerichtet wurde. Die stählerne Tragkonstruktion, unberührt erhalten, besteht aus Profilen aus gepresstem Stahl. Das Verschlusswerk wurde mit mechanischen Nietmaschinen durchgeführt. Wo nicht genügend Platz vorhanden war, um die Nietmaschine zu verwenden, wurde mit einem Hammer gearbeitet. Ein großer Teil der Verbindungen der Konstruktion wurde jedoch mit Schrauben ausgeführt.

Schulhof und Hausmeisterwohnung

Alte Fotos zeugen von der ursprünglichen Gestaltung und Anlage des Schulhofs, der räumlich und formlich an die umgebende Architektur anknüpfte. Südlich der Werkstätten schließt die Hausmeisterwohnung das alte Schulgelände ab. Diese Wohnung besteht aus zwei Joche und zwei Etagen unter einem Flachdach und ist aus Backstein auf einem Granitsockel errichtet. Das hervorspringende Volumen der rechten Joche ist mit rechteckigen Fenstern geöffnet. Die rechteckige Eingangstür, zugänglich über eine gerade Steintreppe mit drei Stufen, ist von einem Vordach überdeckt. In der zweiten Etage, über der Tür, befindet sich ein kleines rechteckiges Fenster.

Vorgarten

Der älteste Teil des Schulkomplexes ist von einem geometrisch angelegten (Vorfeld-)Garten mit niedriger Umfriedung umgeben. Beete mit niedrigen Pflanzen wechseln sich mit bäumchenartigen Pflanzen ab. Die Umfriedung besteht aus einer stählernen, straff geometrischen Struktur zwischen Granitsäulen. Auf Höhe der Fassadenvorsprünge sind in der Umfriedung Granitbänke vorgesehen. Granit-Blumenkästen entlang der Fassaden sind Teil des Gartenkonzepts. Die ursprünglichen Tore wurden entfernt, sind jedoch auf Grundlage der ursprünglichen Pläne dokumentiert.

Provinzialarchiv Antwerpen, Provinzielle Technische Schulen Boom 6. Werke: Nummern 1-44, 47, 49, 55-57, 62, 65, 68-69, 72, 75, 78-79, 86-87, 90, 92-93, 95-96, 98-99, 102, 104-109, 111, 113, 117-118. Dienst Werke und Infrastruktur Provinz Antwerpen, Provinzielle Technische Schulen Boom. Architekturarchiv Provinz Antwerpen, Fotomaterial und Dokumentation. Museum für Fotografie, Provinz Antwerpen, Fotomaterial. Inspektionsberichte Denkmalwacht Antwerpen vzw, 1996 und 2001. WYLLEMAN L. 1985: Bauen durch die Jahrhunderte. Inventaris des Kulturbesitzes in Belgien. Architektur. Teil 10n2. Provinz Antwerpen, Arrondissement Antwerpen, Gent, 126-129. S.N. 1932: Provinziale Technische Schule von Boom, KMBA. Monatsschrift. Organ der Königlichen Gesellschaft der Baumeister von Antwerpen 3.1 (Januar), 169-177. VAN EVERBROECK L. 1936: L'Ecole Technique Provinciale de Boom, Bâtir 45 (August), 817-818.

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Adresse: Beukenlaan 44_1, Boom

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