Gedenkbäume I. Weltkrieg

Description

Im Vorfeld des hundertsten Jahrestags des Ersten Weltkriegs startete die flämische Regierung 2010 über Tourismus Flandern einen „Impulsfonds 100 Jahre Großer Krieg“.

Während der Entstehung des Projekts wuchs die Notwendigkeit, die ersten Frontlinien sowohl auf alliierter als auch auf deutscher Seite auf einfache, klare, aber auch landschaftlich verantwortungsvolle und spannende Weise deutlich im heutigen Landschaftsbild zu verorten und erkennbar zu machen. Auf diese Weise bekommt auch der essentielle Begriff „Niemandsland“ Form und Inhalt, und dies oft auf dramatische Weise, beispielsweise wenn sich herausstellt, dass die beiden Frontlinien jahrelang nur 20 Meter voneinander entfernt lagen.

So entwickelte unser städtischer Dienst für Umweltbildung gemeinsam mit dem IFFM ab 2011 ein originales Konzept, das sich zu einem konkreten und nachhaltigen Projekt entwickelte, nämlich: "die Erinnerungsbäume an den Frontlinien des Kleinen Yperns". Als landschaftliches Signal zur Markierung der ersten Frontlinien wurde entschlossen hochstämmige Bäume als lebendiges und dauerhaftes Zeichen gewählt, auch nach den Gedenkjahren 2014-2018.


Die Erinnerungsbäume wurden schließlich an gut sichtbaren Orten gepflanzt, wo sie keine Beeinträchtigung verursachen und sich voll entfalten können. Konkret wurde vor allem in den Gräben entlang öffentlicher Straßen, Wegen, in Weideflächen, an Bachufern und Waldrändern aufgeforstet.


Insgesamt wurden 138 Erinnerungsbäume gepflanzt, die ersten 50 Bäume im Frühjahr 2014, der Rest im Frühjahr 2015 und 2016. Die Pflanzstellen wurden sorgfältig ausgewählt, sowohl aus landschaftlicher als auch aus historischer Sicht.

Die ersten Bäume stehen in Boezinge am nördlichen Ansatz des Yperns, an beiden Seiten des Kanals Ypern-IJzer. Die letzten Bäume markieren den südlichsten Teil der Ypern-Front in Sint-Elooi.

Jeder Erinnerungsbaum ist mit einem metallenen Baumkorb versehen. Durch die Hinzufügung eines schlichten Farbsignals wurde die Markenfunktion verstärkt zu einem erkennbaren Signal, auch auf größere Entfernungen. Inspiriert durch die Farbgestaltung auf den militärischen Frontlinienkarten während des Krieges, erhielten die Baumkörbe an der alliierten, vor allem britischen Frontlinie einen blauen oberen Rand, und die Baumkörbe an der deutschen Frontlinie einen roten oberen Rand.

Die meisten Körbe wurden mit einem kleinen Infotafelschild versehen, das die Lage innerhalb des Yperns angibt sowie ein gutes historisches Landschaftsbild mit der konkreten Frontlinie, dem Namen und dem Datum. Jeder Erinnerungsbaum erhielt eine eigene Nummer, die als Kennzeichnung des Baumes auf verschiedenen Informationsmitteln, wie Wanderbroschüren, Radkarten, Infotafeln usw. verwendet wird. Die wunderschöne digitale Anwendung, die auf Basis des Baumprojekts erstellt wurde, ist hierbei natürlich vollständig ausgerichtet.

Es wurde lange über die Auswahl der Baumarten der hochstämmigen Bäume nachgedacht. Ursprünglich fiel die Wahl auf die Eiche als Erinnerungsbaum an den deutschen Linien und die Linde als Baum an der alliierten Frontlinie. Diese Wahl basierte unter anderem auf dem traditionellen Gebrauch der Eiche auf deutschen Friedhöfen und der Linde bei den Briten.

Aber letztendlich wurde diese Aufteilung in zwei „Lager“ bewusst durchbrochen, und es wurde entschieden, für eine Baumart zu wählen, nämlich die Ulme oder Flatterulme. Damit möchte man darauf hinweisen, dass das menschliche Drama und das Grauen in diesem Krieg letztlich für alle Beteiligten, von welcher militärischen Seite auch immer, dasselbe war.

Diese letztendliche Wahl wurde auch inspiriert durch den traditionellen Gebrauch von hochstämmigen Ulmen in der Region Ypern. Die Ulme wurde in dieser Region über Jahrhunderte als häufigste Baumart entlang von Straßen, Allee und Grundstücksgrenzen angepflanzt. Ulmen prägten auch das Landschaftsbild an der Front, die Baumreihen spielten eine entscheidende Rolle bei der Frontbildung zu Beginn des Krieges.

Nach dem Krieg, während des Wiederaufbaus, wurden erneut viele Tausende Ulmen gepflanzt. Leider trat eine neue Bedrohung auf, als die verheerende „Ulmenkrankheit“ zuschlug. Diese Krankheit wird durch einen Pilz verursacht, der höchstwahrscheinlich aus Asien stammt und gegen den europäische Ulmen nicht resistent sind. Es ist sehr möglich, dass die Ulmenkrankheit unsere Gegenden während der Kriegsjahre erreichte, durch den massiven Transport von Materialien in Holztruhen aus Asien. Möglicherweise ist die Ausrottung der europäischen Ulme somit auch eine indirekte Folge des Ersten Weltkriegs!

Um 1985 waren 90 % aller Ulmen in Flandern eingegangen, heute ist die Art nahezu vollständig verschwunden. Verschiedene Baumschulen suchten über viele Jahre nach einer Ulmenrasse, die ausreichend resistent ist, um die Pilzkrankheit zu überwinden. Erst 2013 wurde eine neue Rasse, die aus der Kreuzung europäischer und chinesischer Arten entstanden ist, als krankheitsfrei anerkannt und für die Wiederanpflanzung geeignet befunden. Das war genau rechtzeitig, um unser Projekt mit diesen neuen, resistenten Ulmen anzugehen.

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Source: wo1.be

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