Äbtissin Margaretha von Österreich. Nicht gerade ein heiliger Schein.

Source: Jan Rymenams

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Wie oft der Fall in den Frauenklöstern zu Beginn des 16. Jahrhunderts war, schwächte auch im Kloster Orienten die Disziplin.

Die Abtei erlebte in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts unter Äbtissin Maria Bollen ein starkes materielles Wachstum, geriet jedoch auf spiritueller Ebene in Konflikt mit ihrem Visitator, dem Abt von Villers. Ab dann wurde der Abt von Aulne der Visitator, und 1557, nach dem Tod der Äbtissin, drängte dieser die Klostergemeinschaft, eine Schwester aus der Abtei von Soleilmont in der Nähe von Charleroi zu wählen. Wahrscheinlich kein Zufall, denn der Abt von Aulne hatte ebenso das Patronatsrecht in Soleilmont. Diese neue Äbtissin war Margaretha von Österreich.

Wer denkt, dass dies die berühmte Erzieherin von Kaiser Karl V. ist, irrt sich. In diesem Fall handelt es sich um eine uneheliche Tochter des Fürstbischofs von Lüttich, Georg von Österreich. Dieser war seinerseits ein Bastardkind von Kaiser Maximilian von Österreich. Man könnte sich fragen, warum er Fürstbischof war, aber der Grund ist einfach. Wenn der Bastardsohn gesetzliche Kinder bekommen hätte, hätte das ein Problem in der Erbfolge verursachen können. Dies war mit einem Fürstbischof nicht möglich.

Unsere Margriet muss sich hier nicht wohlgefühlt haben. Bereits einige Jahre später bat sie über die Landvoogtin Margareta von Parma den König Philipp II. um die Verwaltung eines anderen, reicheren Klosters. Ihrer Meinung nach hatte sie das Kloster in einem miserablen Zustand vorgefunden, sowohl auf weltlicher als auch auf spiritueller Ebene, und war es ihr gelungen, das Ruder herumzureißen. Ob das wahr ist, lassen wir offen, aber ihre wiederholten Bitten um eine bessere Position wurden stets abgelehnt. Tatsache ist, dass sie kaum motiviert war, ihren Dienst zu tun, denn bereits 1572 sollte das Kloster erhebliche Schulden haben. Bei einer Untersuchung durch die Kirchenbehörde im Jahr 1580 klagten die Schwestern von Orienten über die unübliche Strenge von Margareta. Sie erhielten trockenes Brot und harten Käse zu essen. Kleidungsstücke verschwanden. Ihr Bruder Georg soll ein Jahr lang in der Abtei mit seiner gesamten Gefolgschaft logiert haben, und in dieser Zeit wurden abnorm hohe Ausgaben für Luxus, Pracht und Herrlichkeit getätigt.

Darüber hinaus nahm Margareta es mit den guten Sitten nicht so genau. Sie reiste oft nach Aulne, wo sie den Abt Guillaume Noël traf. Mehrmals wurde gesehen, wie der Abt gegen 23:30 Uhr das Zimmer von Margareta heimlich betrat. Übrigens war die Verwaltung von Noë katastrophal für Aulne.

Offenbar hatte Margareta nicht genug von den Avancen des Abtes. Sie hatte anscheinend auch eine Affäre mit dem bekannten Baumeister Cornelis Floris de Vriendt. Ja, der von dem Rathaus von Antwerpen und dem Sacramentsturm von Zoutleeuw! An einer bestimmten Nacht trafen sich beide Rivalen und es hätte beinahe zu einem Handgemenge kommen können. Cornelis musste jedoch das Nachsehen haben. Seine Rache war nicht der Würde eines Gentlemans würdig: Er ließ die Liebesbriefe von Margareta an den Abt veröffentlichen.

Der Prälat Georg von Lüttich (1557-1563) wollte beide absetzen, aber Zufall oder nicht, er wurde wahnsinnig und die Sache wurde überhaupt keine Sache.

Während der Überfälle von Wilhelm von Orange floh Margaretha nach Lüttich und nach Sint-Truiden. Auch dort zeigte sie kein makelloses Verhalten. Sie ersetzte ihren persönlichen Kaplan und Beichtvater durch einen nichtkatholischen Priester.

In der Zwischenzeit lief es in der Abtei Orienten nicht gut. Aufgrund der Kriegsunruhen war die Zahl der Schwestern auf nur vier gesunken. Diese liefen schließlich auch weg. Margareta floh nach Lüttich und später nach Namur.

Schließlich verlief die gesamte Untersuchung zu ihrem Verhalten ins Leere und sie sollte bis zu ihrem Tod im Jahr 1604 Äbtissin von Orienten bleiben.

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