Datenquelle: Jan Rymenams
In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Arbeiterkinder bereits sehr jung zur Arbeit herangezogen. Dennoch unternahm die Regierung Versuche, die Grundbildung zu fördern. In Aarschot gab es eine Armenschule, in der kostenlose Bildung angeboten wurde. Aber weil es keine Lern- oder Schulpflicht gab, brachen die meisten Schüler bereits nach ihrem neunten Lebensjahr ab. Mädchen gingen im damaligen Kloster der Schwestern der Nächstenliebe zur 1809 gegründeten Stickschule. Das Kloster und die Stickschule mussten in den Anfangsjahren mehrmals umziehen, bis sie 1836 endgültig an diesem Ort untergebracht wurden.
Die Stickschule sollte bis 1896 bestehen bleiben und anschließend in eine Haushalts- und Nähabteilung, die sogenannte „Coupe“, umgewandelt werden. Abgesehen von der Stickerei lernten die jungen Stickerinnen nahezu nichts.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und insbesondere während des Schulstreits wurden die Missbräuche in den Stickschulen an den Pranger gestellt. Die Sekundarschulen und Klöster hätten sich auf Kosten der Arbeit der Schüler bereichert. Darüber hinaus war dies ein unlauterer Wettbewerb mit den Berufstätigen, und diese Schulen erhielten zudem noch Subventionen vom Staat. Obwohl die Mädchen schon früh als vollwertige Arbeiterinnen arbeiteten, fielen diese Schulen nicht unter das Gesetz von 1889, das Kinderarbeit unter zwölf Jahren verbot. Erst mit dem neuen Schulgesetz von 1914 änderte sich diese Situation.
Die Schwestern hielten auch eine Sonntagsschule, um die „Jugend gegen die Bedrohung der Straße und den schädlichen Einfluss der Familie zu schützen”! Der Staat unterstützte diese Schulen. Es ist kein Zufall, dass die Lektionen von Damen und Herren aus der wohlhabenderen Bourgeoisie gegeben wurden: den Kindern wurde schließlich beigebracht, sich mit ihrem Schicksal abzufinden, damit die herrschende Ordnung und Autorität erhalten blieb.
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