Source: Jan Rymenams
(Albertlaan, 37)
Im Jahr 1923 baute der Architekt Fonteyn hier sein Familienhaus in einem Stil, der als Regionalismus bezeichnet wird. Interessant ist, dass es sich um ein Eckhaus handelt. Das bedeutet, dass mindestens die Fassade und eine an der Straße angrenzende Seite schön ausgearbeitet wurden und fast der Eindruck eines freistehenden ‘Villengebäudes’ erweckt wird.
Es war kein Zufall, dass das Wohnhaus hier gebaut wurde. Die Albertlaan hatte in den Wiederaufbauplänen des Architekten Arthur Pladet einen wichtigen Platz erhalten, mit dem Ziel, eine Straße mit prächtigen Wohnhäusern zu schaffen, die an einen Park an der Orleanstoren anschließt. Die Allee wurde wie die breiten Brüsseler Avenuen aufgefasst, mit zwei breiten Fahrspuren, die von einem grünen Rand getrennt sind. Wir befinden uns übrigens am Rande der bebauten Stadt und zu diesem Zeitpunkt schlossen die Parzellen an ein ländliches Landwirtschaftsgebiet an. In diesem Sinne war es auch logisch, dass nicht unbedingt ein städtischer Neostil gewählt wurde, sondern eine regionale Gestaltung.
Es ist offensichtlich, dass der Wiederaufbau nach dem Ersten Weltkrieg zugunsten historisierender Neostile und Regionalismus ausfiel. Im Stadtzentrum dominierten die historisierenden Stile. Das war logisch, denn man wollte das Bild einer mittelalterlichen Stadt suggerieren.
In ländlicheren Gegenden und hier also auch am Rand der Stadt, wurde eher ein regionalistischer Stil gewählt.
Was fällt hier auf?
Was wir jetzt nicht mehr sehen, ist, dass die Ziegel weiß gestrichen waren und die Holzarbeiten grün lackiert. Die Stützen und Bögen waren unbemalt. Die weiße Farbe verwies auf die früher verwendete Weiße Kalkfarbe. Ein dunkler Sockel war wiederum ein Hinweis auf die schwarze Teerschicht.
Die Anwesenheit von Klappläden. Obwohl Rollläden in dieser Zeit bereits verfügbar waren, griff man auf diese ländliche Form zurück, um die Fenster zu schließen.
Die holländische Giebelanlage wirkt hier etwas seltsam, ist aber auch ein Verweis auf eine ländliche Besiedelung. Die Ziegel bilden eine traditionelle Kreuz- oder holländische Verbindung.
Die Fenster, vor allem die in den Obergeschossen, sind mehr oder weniger inspiriert von der flämischen Renaissance und dem mittelalterlichen Back- und Sandstein-Stil, erfüllen jedoch nicht das Kriterium der Kreuzfenster.
Darüber hinaus gibt es einen modernen Plan mit Treppenanlagen, Dachgauben, überdachten Terrassen mit Rundbögen und schrägen Stützmauern. Ein achtseitiger Balkon mit Erker zeugt von dem Einfluss des Art Deco.
Nicht hier, aber in anderen regionalistischen Wohnhäusern wird z.B. das strohgedeckte Dach oft kombiniert mit ‘alles auf der Erdgeschossebene’ eine interessante Anspielung sein. Auch Giebeldächer und hohe rote Ziegeldächer mit Dachgauben sind ebenso viele Merkmale. Im Inneren ist der Kamin sehr wichtig und der symbolische Ausdruck von ‘der Familie’.
Das Geländer des Balkons und die Gartenabgrenzung wurden wahrscheinlich erst später von einem anderen Eigentümer – siehe das Monogramm KH – mit schmiedeeisernem Material versehen. Auf einem alten Foto ist das Geländer weniger kunstvoll und aus Holz.
In der Giebelseite befindet sich ein achteckiger Stern als Ornament mit dem Namen ‘Ons Heil’ und dem Jahr 1923. Der Stern wird durch zwei Quadrate gebildet, die zueinander um 45° gekippt sind.
Regionalismus entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist ein Ausdruck der Suche nach nationalen Stilen, d.h. das junge Belgien suchte nach einer eigenen Identität, und Architektur war ein Ausdruck davon. Einerseits greifen wir darauf zurück, um die Neostile aus einer Zeit zu zeigen, in der Flandern eine starke eigene Identität hatte und wirtschaftlich wichtig war. Das sind Gotik, Renaissance und Barock. Aus welchen Gründen auch immer, wird der Klassizismus unter französischem Einfluss und während der österreichischen Periode als fremdartig für die Nation betrachtet. Dennoch wird der Klassizismus lange Zeit wichtig bleiben, insbesondere was die öffentlichen Gebäude betrifft. Der pure Kanon dieser Neostile wurde selten angewendet, und als Reaktion darauf wird der Architekt Stilelemente mischen und wir sprechen von Eklektizismus. Eklektizismus ist vor allem ein persönlicher Ausdruck des Bauherrn und des Architekten und berücksichtigt wenig eine sogenannte ‘Volksseele’ – was auch immer das sein mag. Auf diese Strömungen erfolgt eine Reaktion, um die (lokalen) Bautraditionen zu berücksichtigen, als kein Architekt beteiligt war. Bauweisen, die an das lokale Klima, die lokale ländliche Wirtschaft, die lokal verfügbaren Materialien usw. angepasst waren. Bauweisen, die ein Ausdruck des ‘Genius loci’ sind.
Die Frage ist natürlich: ‘Was sind die Merkmale einer solchen regionalen Architektur?’ Wir sehen, dass am Ende des 19. Jahrhunderts eine Art Inventar entsteht, das die Merkmale beschreibt. So gibt es für Belgien das beeindruckende Werk Documents Classés (1880-1906), von dem Architekten Jules Jacques Van Ysendyck. Der regionale Stil hat bis heute seine Spuren hinterlassen: einerseits kennen wir ‘Fermette’ und andererseits die sogenannten ‘Pastoriewohnungen’.
Architekt Jozef Fonteyn (1889-1970)
Jozef Fonteyn stammte aus Tremelo. In Aarschot war er während des Ersten Weltkriegs verantwortlich für die Schätzung der Kriegsschäden. Nach dem Krieg gründete er sein Büro in Aarschot, behielt aber seine Wohnadresse in Tremelo. Er gehörte zusammen mit A. Pladet, E. Van Nieuwerburgh, V. Van Roey und J. Evrard zur kleinen Gruppe von Architekten, die das Erscheinungsbild des Wiederaufbaus in Aarschot bestimmen sollten. Im Zentrum baute er hauptsächlich im neo-flämischen Renaissancestil oder im historisierenden Barock. In den neu angelegten Straßen war die Gestaltung eher regional oder neotraditionell inspiriert.
Ab 1923 arbeitete er im Dienst der Stadt Aarschot. Am 28. Februar 1941 wurde er als vollzeitbezogener Stadtarchitekt der Stadt Aarschot ernannt. Dies bedeutete auch, dass er ab dem 1. April 1941 keine Arbeiten mehr für Privatpersonen ausführen durfte. Diese Funktion des Stadtarchitekten würde er bis 1954 erfüllen.
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